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Ist der EuroAirport auf die nachfragestarke Sommersaison vorbereitet?



Findet mein Ferienflug auch tatsächlich statt? Nicht wenige stellen sich derzeit diese Frage im Hinblick auf die bevorstehenden Sommerferien. Grund für die Beunruhigung sind die Hiobsbotschaften aus der Luftfahrtbranche der letzten Wochen: Verspätungen, Flugausfälle, zu wenig Personal. Stark betroffen sind vor allem die Flughäfen Amsterdam-Schiphol und London Heathrow. Die niederländische Airline KLM musste zeitweise den Verkauf von Tickets ab ihrem Heimatflughafen Amsterdam-Schiphol aussetzen, um nicht noch mehr Passagiere anzulocken. Die Warteschlangen reichten in Amsterdam wegen des Personalmangels bis auf die Strassen hinaus. Natürlich sind auch die Schweizer Flughäfen von der angespannten Ressourcensituation betroffen. So hat Anfang Juni die Swiss wegen Personalmangel zahlreiche Flüge ab Zürich und Genf gestrichen. Zehntausende Kundinnen und Kunden waren davon betroffen.


Hinzu kam ein Hardware-Fehler bei der Schweizer Flugsicherheitsbehörde Skyguide Mitte Juni, der zur temporären Sperrung des gesamten Schweizer Luftraums und somit zu Tausenden frustrierten Passagieren führte.

Wir wollten wissen, wie sich die Lage am EuroAirport präsentiert und wie sich der Flughafen und die Partner des EuroAirports auf die bevorstehende nachfragestarke Sommerferienzeit vorbereiten. Wir haben uns dazu mit den Verantwortlichen des Flughafens, von Swissport Basel und von easyJet unterhalten.



Kein Personalmangel bei der Flughafenbetreibergesellschaft des EuroAirports


Laut Matthias Suhr, Direktor des EuroAirports, ist die rasche Zunahme des Flugaufkommens eine Herausforderung für alle Partner auf dem Flughafen: «Die Erholung der Passagierzahlen in Europa verläuft teilweise schneller als der Aufbau der Ressourcen. Es bestehen Ressourcenengpässe in der gesamten Aviatikbranche in Europa. Diese haben einen Einfluss auf das Wiedereinspielen der Abläufe nach zwei Jahren Pandemie. Vielerorts kam es während der Corona-Pandemie zu Entlassungen und nun tun sich viele Unternehmen schwer, neues Personal zu finden. Viele Beschäftigte haben sich unterdessen zu anderen Branchen hin orientiert. Die Personalsituation bleibt in der Touristikbranche daher angespannt.»


Bei der Flughafenbetreibergesellschaft EuroAirport besteht laut Suhr aber aktuell kein akuter Personalmangel. Der EuroAirport habe per Ende Mai 2022 total 354 Personen beschäftigt. Im Vergleich dazu, seien es Ende Dezember 2019 insgesamt 402 Personen gewesen. Derzeit gebe es acht offene Stellen zu besetzen, mehrheitlich im technischen Bereich.



Swissport Basel hat über 150 neue Mitarbeitende in den letzten sechs Monaten angestellt


Swissport beurteilt die Lage am EuroAirport als stabil. Die Firma ist unter anderem in der Bodenabfertigung wie dem Handling des Gepäcks, dem Check-in von Passagieren, der Betreibung von Lounges und im Pushback von Flugzeugen tätig. Laut Nathalie Berchtold, Kommunikationsleiterin von Swissport für die Schweiz und Frankreich, verfügt Swissport Basel über genügend Arbeitskräfte, um die angekündigten Flüge des Sommerflugplans sicherzustellen. «Wir haben über 150 neue Mitarbeitende in den letzten sechs Monaten bei Swissport Basel angestellt, viele davon im Passagierdienst. Sie wurden alle gründlich geschult und geprüft.


Unser Ziel für den Sommer/Herbst 2022 ist es, noch weitere Mitarbeitende zu rekrutieren, damit wir auf einen Personalbestand von rund 600 Mitarbeitenden kommen und somit gut für allfällige operative Unregelmässigkeiten beziehungsweise zusätzliche Nachfrage im Flugbetrieb aufgestellt sind», so Berchtold.


Im Hinblick auf die Sommerferien betont Berchtold, dass ein reibungsloser Betrieb nicht nur von der Personalsituation, sondern auch von wetterbedingten Einflüssen wie Gewittern oder operativen Unregelmässigkeiten im Flugverkehr abhängig sei. Letztere seien beispielsweise Verzögerungen aufgrund von Engpässen bei der europäischen Flugsicherung oder wie kürzlich durch ein herrenloses Gepäckstück am EuroAirport, was eine temporäre Terminalschliessung erfordert habe. Während den Spitzen an den Hauptreisetagen könne es zu längeren Wartezeiten im Check-in oder bei der Gepäckausgabe kommen, da sich innerhalb dieser Zeitfenster eine Vielzahl an Abflügen und Ankünften kumulieren.



Flughafen erwartet grundsätzlich funktionierende Abläufe für den Sommerbetrieb


Auf Anfrage erklärt easyJet, die mit Abstand grösste Airline am EuroAirport, dass man mit einer starken Nachfrage für diesen Sommer rechnet. easyJet werde in diesem Sommer bis zu 63 Destinationen ab Basel mit Fokus auf die Mittelmeerdestinationen anbieten. Für den Sommer habe die Airline zudem eine neue Strecke zwischen Basel und Venedig eröffnet. Betreffend der Ressourcensituation meint easyJet: «Wir haben die Erholung der Flugnachfrage in der Schweiz antizipiert und daher 56 neue Kabinenbesatzungen und zwei neue Copiloten geschult, die bereits vor der Pandemie vorselektioniert wurden.»


Auch easyJet rät den Passagieren, sich umfassend auf die Reise vorzubereiten: Man solle im Voraus einchecken, was ab 30 Tagen und bis zu zwei Stunden vor Abflug möglich sei und mindestens zwei Stunden vor dem Abflug am Flughafen eintreffen, damit die verschiedenen Kontrollen rechtzeitig vor dem Abflug abgeschlossen werden könnten. Mit Hilfe des Covid-19-Informationsportals auf der easyJet-Webseite könne man die verschiedenen Reisebedingungen, Regeln und Auflagen am Zielort bereits vor Reiseantritt abrufen.


Im Hinblick auf den herausfordernden Sommerbetrieb summiert der Direktor des EuroAirports die Lage wie folgt: «Wir erwarten grundsätzlich funktionierende Abläufe, wenn auch Wartezeiten während den Spitzen zu erwarten sind. Sämtliche Partner auf der Flughafen-Plattform koordinieren sich ständig, damit Abläufe und Personaleinsatz mit dem Verkehrsaufkommen abgestimmt sind und allenfalls notwendige Anpassungen rasch vorgenommen werden können. Wir setzen alles daran, dass die Flüge ohne Verzögerungen abgefertigt werden können». Gleichzeitig betont auch Suhr, dass die teilweise immer noch gültigen Einreisebeschränkungen zusätzliche Kontrollen erfordern, was zwangsläufig zu längeren Wartezeiten an den Kontrollpunkten, v.a. im Check-in-Bereich führen würde.


Der Flughafen empfiehlt daher den Reisenden sich rechtzeitig über die Bestimmungen der jeweiligen Fluggesellschaft und des Ziellandes zu informieren und frühzeitig am Flughafen zu sein – mindestens zwei Stunden vor Abflug. Suhr ergänzt: «Wer einen Corona Test benötigt, macht diesen am besten am Tag vor der Abreise und wer am Vorabend einchecken kann, soll auch dies tun.»