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Ist die Flugbranche auf die mögliche Energiemangellage vorbereitet?

Die mögliche Energiemangellage in diesem Winter beschäftigt auch die Flugbranche. Wir wollten von den verschiedenen Playern in der Branche erfahren, wie sie sich auf eine mangelnde Verfügbarkeit von Energie vorbereitet haben. Zudem haben wir sie gefragt, welchen Beitrag sie selbst zur Reduktion des Energieverbrauchs leisten. Fazit aus den Gesprächen ist, dass alle Player Vorbereitungen für die möglichen Szenarien getroffen und sich die Verringerung des Energiebedarfs als Ziel gesetzt haben.


Bildquelle: Unsplash


Der EuroAirport ist laut Matthias Suhr, CEO des Flughafens, bezüglich Energieverbrauch vergleichbar mit einer kleinen Stadt: «Die am Flughafen benötigte Energie wird durch vier verschiedene Energieträger bereitgestellt: Elektrizität, Erdgas, Heizöl und Treibstoff. Da der Flughafen vollständig auf französischem Boden liegt, erfolgt die Energieversorgung von der französischen Seite.» Die französische Regierung hat laut Matthias Suhr alle Unternehmen aufgefordert, den Energieverbrauch in den nächsten zwei Jahren im Vergleich zu 2019 um 10 Prozent zu senken. Der Flughafen habe daher verschiedene Massnahmen zum sparsamen Umgang mit Energie ausgearbeitet und umgesetzt.

Und weiter: «Dabei ist es unser Ziel, ein Gleichgewicht zu halten zwischen einer möglichst grossen Energieeffizienz und den Serviceleistungen sowie dem Komfort für Passagiere und Mitarbeitende.» Bei den Massnahmen gehe es unter anderem um die Reduktion der Raumtemperatur und Anpassungen bei der Belüftung der Räume in Abhängigkeit von der Nutzung und Frequentierung.



EuroAirport und Flughafen Zürich sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet


Auf die Frage, wie wahrscheinlich ein Szenario mit einem temporären Stromausfall ist, meint Matthias Suhr: «Die Auswirkungen der Spannungen in den Bereichen der Energieversorgung sind in der aktuellen geo- und umweltpolitischen Lage schwierig einzuschätzen. Deshalb ist es wichtig, einen bewussten Umgang mit den Energieressourcen zu verfolgen und den Energieverbrauch bedeutend zu reduzieren. Für unser Passagierterminal haben wir eine Ausfallsicherung durch Kraft-Wärme-Kopplung für die vorrangigen Geräte des Terminals. Auch werden die für den Flugbetrieb unerlässlichen Zonen der Plattform durch eine Reihe mobiler Stromaggregate abgesichert.»


Der Flughafen wurde Anfang September 2022 an das bestehende Fernwärmenetz der Stadt Saint-Louis angeschlossen. Dazu ergänzt Matthias Suhr: «Derzeit werden etwa 30 Prozent der Wärme aus Biomasse gewonnen. Bis 2025 wird dieser Anteil durch den Bau einer zusätzlichen Biomasse-Heizzentrale auf fast 90 Prozent steigen. Dadurch verringern wir den Gasverbrauch massiv.» Laut Matthias Suhr ist der Flughafen daran, die Klassifizierung als «systemrelevant» mit der zuständigen Präfektur in Frankreich abzustimmen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sich der Flughafen auf französischem Hoheitsgebiet befindet. Eine definitive Antwort sei noch ausstehend.


Auch der Flughafen Zürich hat sich auf die verschiedenen Szenarien vorbereitet und setzt auf eine Reihe von Massnahmen, um den eigenen Energieverbrauch zu senken. Laut der Medienstelle des Flughafens wurde im August dieses Jahres eine Taskforce «Energie-Versorgung» ins Leben gerufen. Diese Taskforce habe einen Massnahmenkatalog mit rund 70 möglichen Massnahmen erarbeitet, die je nach Ereignisfall ausgelöst werden könnten oder in Abhängigkeit von den Entscheiden und Anweisungen des Bundes zur Anwendung kommen würden. Laut dem Flughafen Zürich wurden bereits diverse Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs umgesetzt. Als Beispiele nennt der Flughafen unter anderem: Dimmen und optimierte Nutzung der Vorfeldbeleuchtung, Dimmen und Verkürzen der Betriebszeiten der Strassenbeleuchtung sowie die Reduktion der Raumtemperaturen um ein bis zwei Grad gegenüber dem bisherigen Standard.



Swissport ist von den Entwicklungen am Energiemarkt stark betroffen


Von den Entwicklungen am Energiemarkt stark betroffen ist Swissport als einer der grössten Mieter von Büro- und Loungeräumlichkeiten sowie Werkstatt- und Lagerflächen am EuroAirport. Besonders Lagerflächen im Cargo Warehouse, die gekühlt oder geheizt werden müssen und das Pharma Center, wo Pharmagüter bis zum Verlad ins Flugzeug in Kühlräumen gelagert werden, benötigen viel Energie. Schon Anfangs 2022 hat Swissport laut Andreas Behnke, Stationsleiter von Swissport Basel, eine weltweite Kampagne lanciert, um das Laufen der Dieselmotoren im Leerlauf zu reduzieren: «Gewisse Gerätschaften sind mit Telematik ausgestattet. Dies erlaubt uns, die Geräte ferngesteuert zu überwachen und zu lenken. Durch diese beiden Aktionen haben wir dieses Jahr bereits mehrere zehntausend Liter Diesel am Standort Basel einsparen können.»


Und er ergänzt: «Des Weiteren haben wir eine Initiative gestartet, bei der die Lagertore von temperaturkontrollierten Flächen schneller geschlossen werden, damit je nach Lagerbereich keine Wärme oder Kälte verloren geht.» Auf die Frage, wie man auf ein Szenario mit einem temporären Stromausfall reagieren würde, verweist Swissport auf den Notfallplan des EuroAirports.



Verfügbarkeit von Energie ist für die Kühlung von Pharmaprodukten entscheidend


Für die Lamprecht Pharma Logistics AG, die auf Logistik- und Servicedienstleistungen für Pharma- und Life Sciences Unternehmen spezialisiert ist, spielt die Verfügbarkeit der Energie eine kritische Rolle. «Wir betreiben an unserem Standort in Pratteln eigene Lageraktivitäten, die temperaturgeführt sind», erläutert Gian Alessi, Managing Director der Lamprecht Pharma Logistics AG. Aufgrund der Aktivitäten in Verbindung mit pharmazeutischen Produkten ist Lamprecht Pharma Logistics AG bei den Behörden vorstellig geworden, um als kritische Infrastruktur eingestuft zu werden. «Dies hat damit zu tun, dass wir Lager für pharmazeutische Produkte betreiben und diese kontinuierlich gekühlt werden müssen», so Alessi. Das Unternehmen habe zudem Massnahmen erarbeitet, die je nach Szenario umgesetzt würden. Diese Massnahmen würden laut Gian Alessi primär dem Schutz der Produkte dienen: «Dies könnte etwa der Einsatz von Kühllastwagen bei einem längeren Stromausfall sein.» Zudem sei man daran, mit einem externen Partner den Stromverbrauch der einzelnen Gerätschaften zu eruieren, um gezielt Massnahmen zur Stromreduktion ergreifen zu können. Die Wahrscheinlichkeit für einen Stromausfall am EuroAirport schätzt Gian Alessi indes als sehr gering ein: «Der Flughafen bezieht primär von der französischen Seite Strom und in Frankreich ist die Lage aus meiner Sicht relativ stabil.»


Die Swiss nimmt die aktuelle Debatte rund um die Stromversorgung laut ihrer Medienstelle sehr ernst, auch wenn bei der Luftfahrt das energieintensive Element der Treibstoff und nicht per se der Strom sei: «Wir haben eine Task Force ins Leben gerufen, welche die Situation laufend analysiert sowie Einsparungspotentiale eruiert. Verschiedene Massnahmen konnten bereits umgesetzt werden.» Darunter zählen laut der Swiss unter anderem die Anpassung der Raumtemperatur in den Bürogebäuden auf 20 Grad, die Reduktion der Lichtstärke in den eigenen Gebäuden, die Ausschaltung von Logos im Gebäude, die temporäre Ausserbetriebnahme von einzelnen Liften und etwa der Ersatz alter Stromversorgungsanlagen in den Werften am Standort Zürich.