Schweizer Luftfahrt 2026: Zwischen Flugstolz, Wirtschaftsmotor und regionaler Identität
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In den letzten Jahren war die Luftfahrt oft das Zentrum hitziger gesellschaftlicher Debatten. Begriffe wie «Flugscham» prägten die Schlagzeilen, während gleichzeitig der Wunsch nach globaler Vernetzung ungebrochen blieb. Eine neue umfassende Studie des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag von Aviationsuisse zeigt nun ein klares Bild: Die Schweizer Bevölkerung fliegt nicht nur wieder häufiger als vor der Pandemie, sondern steht der Luftfahrt insgesamt auch positiver gegenüber als oft angenommen.
Für die Bevölkerung und Wirtschaft der trinationalen Region zählt der EuroAirport zu den wichtigsten Standortfaktoren überhaupt. Besonders bei Arbeitsplätzen, wirtschaftlicher Entwicklung und internationaler Verkehrsanbindung erreicht der Flughafen sehr hohe Zustimmungswerte.

Die Schweiz: Eine Nation von Flugbegeisterten?
Entgegen der oft zugespitzten Debatte der letzten Jahre zeigt die Studie insgesamt eine mehrheitlich positive Haltung der Schweizer Bevölkerung gegenüber dem Fliegen. 61 % der Befragten bewerten Flugreisen positiv. Gleichzeitig ist der Stolz auf die Schweizer Luftfahrt mit 55 % deutlich stärker ausgeprägt als das Gefühl von Scham beim Buchen einer Flugreise (28 %). Rund zwei Drittel der Bevölkerung sehen in der Luftfahrt eher eine Chance für die Schweiz, während etwa ein Viertel sie vor allem als Belastung wahrnimmt.
Effizienz als stärkster Antrieb
Warum fliegen wir? Die Antwort ist simpel: Zeitökonomie. Für 76 % der Befragten ist die kurze Reisezeit der ausschlaggebende Grund, das Flugzeug gegenüber Bus oder Bahn zu bevorzugen. Entsprechend hoch ist der Stellenwert von Direktverbindungen, die für drei Viertel der Bevölkerung wichtig oder sehr wichtig sind. Vor allem die jüngere Generation (18–35 Jahre) nutzt das Flugzeug intensiv, wobei für sie neben der Zeit auch der Preis eine entscheidende Rolle spielt.
Der unterschätzte Wirtschaftsmotor
Dass die Luftfahrt für den Tourismus zentral ist, wissen 72 % der Schweizer. Doch die wahre wirtschaftliche Bedeutung liegt im Verborgenen: Rund 52 % des wertmässigen Warenexports der Schweiz werden per Luftfracht abgewickelt – das entspricht einem Wert von über 200 Milliarden Franken. Die Bevölkerung unterschätzt diesen Anteil massiv und schätzt ihn im Schnitt auf lediglich 37 %. Diese Diskrepanz zeigt, dass die Rolle der Flughäfen als Lebensadern für die exportorientierte Schweizer Industrie in der öffentlichen Wahrnehmung noch zu wenig präsent ist.
Klimaschutz durch Innovation, nicht durch Verbote
Beim Thema Klima zeigt sich die Bevölkerung pragmatisch. Die Hauptverantwortung für den Klimaschutz wird mit 72 % bei der internationalen Politik gesehen, um faire Wettbewerbsbedingungen zu garantieren. Nationale Alleingänge werden mehrheitlich abgelehnt. Im Vordergrund stehen aus Sicht der Bevölkerung vor allem technologische Innovationen: 77 % halten effizientere Flugzeuge und 71 % nachhaltige Treibstoffe (SAF) für die zielführendsten Massnahmen. Bemerkenswert ist die grundsätzliche Bereitschaft, für diese Innovationen tiefer in die Tasche zu greifen: Drei Viertel der Bevölkerung würden einen moderaten Aufpreis auf Flugtickets akzeptieren, sofern die Mittel direkt in die ökologische Erneuerung der Aviatik zurückfliessen.
Der EuroAirport im Fokus – Ein regionaler Vergleich
Wenn wir den Blick vom nationalen Ganzen auf die einzelnen Standorte richten, zeigen sich spannende Unterschiede zwischen dem EuroAirport, dem Flughafen Zürich und dem Flughafen Genf.
Wahrnehmung der wirtschaftlichen Bedeutung
In der Gunst der nationalen Bedeutung steht das interkontinentale Drehkreuz Zürich einsam an der Spitze – 79 % der Bevölkerung schreiben ihm eine grosse Bedeutung zu. Genf folgt mit 61 %. Der EuroAirport wird mit 43 % deutlich verhaltener wahrgenommen. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des EuroAirport weit in die trinationalen Nachbarregionen ausstrahlen und die erzeugte Wertschöpfung auf die Schweiz, Frankreich und Deutschland verteilt ist. Dadurch tritt seine Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft in der nationalen Wahrnehmung teilweise weniger stark hervor.
Ein Blick auf die Lebensqualität der Anwohnenden korrigiert dieses Bild jedoch massiv. Die Flughafenregionen überzeugen generell durch bessere Verkehrsanbindungen und Dienstleistungsangebote als der Rest der Schweiz.
Verkehrsanbindung: Hier ist die Region rund um den EuroAirport Spitzenreiter: Sagenhafte 97 % der Anwohnenden sind mit der Anbindung zufrieden, im Vergleich zu 94 % in Genf und 91 % in Zürich.
Arbeitsmarkt: Auch bei den Jobmöglichkeiten glänzt Basel. 86 % der Anwohnenden bewerten das Arbeitsplatzangebot als gut, während dieser Wert in Zürich bei 73 % und in Genf sogar nur bei 62 % liegt.
Lärmbelastung und Betriebszeiten
Interessanterweise fühlen sich 56 % bis 66 % der Anwohnenden in allen Flughafenregionen nicht durch Fluglärm belastet. Am kritischsten wird Lärm in Genf wahrgenommen (43 % Belastete). In Basel fühlen sich 40 % der Anwohnenden durch Fluglärm belastet. Trotz dieser Differenzen herrscht Einigkeit bei der Nachtruhesperre: 55 % der Basler Anwohnenden halten die aktuelle Regelung für «genau richtig». Die Bevölkerung will hier den Status quo bewahren – weder eine Ausweitung noch eine Verkürzung der Flugzeiten findet eine Mehrheit – selbst wenn die Nachfrage steigen würde.
Die Studie zeigt zudem Unterschiede bei der Nutzung der Flughafeninfrastruktur ausserhalb des Flugbetriebs. Während in Zürich rund ein Drittel der Anwohnenden den Flughafen regelmässig als Einkaufs- oder Dienstleistungsstandort nutzt, spielt dies am EuroAirport eine deutlich kleinere Rolle. 86 % der Anwohnenden in der Region Basel nutzen die entsprechenden Angebote nie oder seltener als einmal pro Jahr.
Fazit für den EuroAirport
Die Studie 2026 unterstreicht, dass der EuroAirport für seine Region ein zentraler Standortfaktor ist. Er bietet die besten Arbeitsplatzbewertungen und die höchste Zufriedenheit bei der Verkehrsanbindung im nationalen Vergleich. Auch wenn der EuroAirport national zurückhaltender wahrgenommen wird als die beiden grösseren Landesflughäfen, ist er für die lokale Bevölkerung und die trinationale Wirtschaft ein hochgeschätzter Ankerpunkt. Die Studie macht deutlich, dass die Bevölkerung die wirtschaftliche Bedeutung und die internationale Anbindung des Flughafens anerkennt und gleichzeitig grossen Wert auf das bestehende Gleichgewicht zwischen Betrieb und Lärmschutz legt.




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