top of page

Ein Jahr an der Spitze des EuroAirport: Bilanz und Ausblick

  • vor 3 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Seit rund einem Jahr steht Tobias Markert an der Spitze des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg. In einer Phase mit Rekordpassagierzahlen, stetigen Diskussionen über Lärm und grossen Infrastrukturprojekten geht es für ihn vor allem darum, die richtige Balance zwischen Wachstum, Akzeptanz und nachhaltiger Entwicklung zu finden. Im Interview spricht er über die Bedeutung des Flughafens für die Region, die Herausforderungen bei der ÖV-Anbindung, den geplanten Investitionszyklus und die Frage, wie sich der EuroAirport künftig positionieren soll.



Sie sind seit rund einem Jahr Direktor des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken: Was hat Sie besonders geprägt – und was hat Sie vielleicht auch überrascht?


Mich hat besonders beeindruckt welche Relevanz der Flughafen für die Region hat, sei es in der Frachtanbindung für den hier ansässigen Life Sciences Cluster, die 6’500 Arbeitsplätze am Flughafen oder die vielseitigen Bedürfnisse des trinationalen Einzugsgebiets an Flugdestinationen.

Die Themen rund um Lärm und Akzeptanz werden intensiv diskutiert. Das zeigt, wie wichtig es ist, den Dialog mit der Region aktiv zu führen und Vertrauen aufzubauen. Mein Fokus lag deshalb von Beginn an darauf, die Zusammenarbeit mit unseren Partnern zu stärken und die Weiterentwicklung des Flughafens verantwortungsvoll zu gestalten.


Der EuroAirport verzeichnete zuletzt einen historischen Rekord bei den Passagierzahlen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe für diese Entwicklung?


Diese Entwicklung ist in erster Linie Ausdruck der starken Nachfrage in unserer Region. Das Dreiländereck ist wirtschaftlich dynamisch und international stark vernetzt – entsprechend hoch ist der Bedarf an guten Verkehrsverbindungen, auch auf dem Luftweg. Unser Ziel ist es, die Flugziele anzubieten, die von den Menschen und Unternehmen in der Region nachgefragt werden.

Gleichzeitig sind für uns Fortschritte bei Lärm zentral. Die nächtlichen Flugbewegungen konnten im vergangenen Jahr nochmals deutlich reduziert werden, insbesondere in der zweiten Nachtstunde zwischen 23 und 24 Uhr. Das ist aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Fortschritt.

Unsere Aufgabe ist es, die Akzeptanz des Flughafens langfristig sicherzustellen und die Auswirkungen des Flugbetriebs verantwortungsvoll zu gestalten. Ohne diese Akzeptanz wären auch solche Passagierrekorde nicht möglich.


Wie gehen Sie grundsätzlich mit dem Konflikt zwischen Wachstum und Rücksichtnahme auf die Bevölkerung um?


Diese Konflikte lassen sich nicht vollständig auflösen. In meinem ersten Jahr habe ich vor allem darauf gesetzt der betroffenen Bevölkerung zuzuhören und zu verstehen, was an Verbesserungsmassnahmen bereits umgesetzt werden konnte und was noch möglich ist. Entscheidend scheint mir, eine tragfähige Balance zwischen Mobilitätsbedürfnissen und Lebensqualität zu finden.


Im September 2025 hat das französische Transportministerium entschieden, seine Finanzierungsbeteiligung am Bahnanschluss auszusetzen. Was bedeutet das für den EuroAirport?


Der Entscheid des französischen Transportministeriums hat uns überrascht und wir bedauern ihn. Der Bahnanschluss ist ein zentrales Element, um die Dekarbonisierung der An- und Abreise von Passagieren und Mitarbeitenden voranzutreiben und den Anteil des öffentlichen Verkehrs zu erhöhen.

Die landseitige Erreichbarkeit ist heute der grösste Emissionsverursacher des Flughafens und macht über 50 Prozent aus. Entsprechend bleibt eine direkte Bahnanbindung ein strategisches Ziel des EuroAirport, für das wir uns weiterhin einsetzen.


Die ÖV-Anbindung des EuroAirport ist im Vergleich zu anderen Flughäfen deutlich weniger ausgebaut. Wo besteht aus Ihrer Sicht der grösste Handlungsbedarf?


Solange der Bahnanschluss fehlt, müssen wir die Anbindung bereits heute verbessern. Deshalb arbeiten wir an konkreten Übergangslösungen: In Frankreich sollen die Verbindungen zwischen dem Bahnhof Saint-Louis und dem Flughafen ausgebaut werden. Auf Schweizer Seite prüfen wir zusätzliche Angebote über die bestehende Buslinie 50 hinaus.

Der Handlungsbedarf ist klar: Während z.B. der Flughafen Zürich AG über 24 ÖV-Linien direkt angebunden ist, verfügt der EuroAirport aktuell über genau eine einzige Linie aus der Schweiz – die Buslinie 50. Dieser Unterschied ist erheblich und zeigt, dass wir die Anbindung deutlich verbessern müssen.


Wenn wir ein Jahr nach vorne schauen: Woran möchten Sie sich Ende Ihres zweiten Amtsjahres messen lassen?


Nach einer Zeit starken Wachstums scheint es mir wichtig zu definieren, wo die weitere Reise hin soll: Eine reine Erhöhung der Passagierzahl ist aus meiner Sicht in einem Umfeld wie dem unseren selten das ideale Ziel eines Flughafens. Der Flughafen muss optimal positioniert sein, um seiner Region zu dienen. Was das bedeutet, möchte ich besser verstehen und entsprechende Ziele setzen.


Ab 2026 startet der EuroAirport ein umfangreiches Investitionsprogramm. Was sind dabei die wichtigsten Schwerpunkte?


Ab 2026 starten wir einen mehrjährigen Investitionszyklus von über 500 Millionen Euro mit dem Ziel, die Qualität für unsere Passagiere spürbar zu verbessern und unsere Infrastruktur schrittweise zu modernisieren.

Zu den ersten Projekten gehören die Sanierung der Hauptpiste, die aktuell läuft, Verbesserungen in den Boardingzonen sowie das Projekt EMT Landside ab 2027. Es geht uns dabei darum, den Flughafen an die heutigen Anforderungen anzupassen und zukunftsfähig aufzustellen – mit besserem Komfort, effizienteren Abläufen und einer modernen Infrastruktur.


Die Sanierung der Hauptpiste hat gerade begonnen. Was bedeutet das konkret für den Betrieb?


Während der Bauarbeiten ist der Flugbetrieb eingeschränkt und wird über die Nebenpiste abgewickelt. Wir haben uns intensiv auf dieses Projekt vorbereitet und bemühen uns, die Auswirkungen für Passagiere und Partner so gering wie möglich zu halten. Transparente Kommunikation und eine frühzeitige Planung sind dabei zentral.


Zum Schluss eine persönliche Frage: Was gibt Ihnen im oft dynamischen Alltag als CEO Ausgleich und neue Energie?


Ich habe das Glück, in einem Umfeld zu arbeiten, das mich seit meiner Kindheit fasziniert. Ausgleich finde ich z.B. beim Sport oder meiner neuen Freizeitbeschäftigung dem Modellsegelflug. Das macht mir viel Spass, zeigt mir aber, dass ich am Flughafen am richtigen Ort bin und an mir wohl kein Pilot verloren gegangen ist.

 
 
 

Kommentare


bottom of page