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Interview mit Jean-Marc Thévenaz, CEO EasyJet Switzerland



In der Pandemie geht es in Europa langsam mehr und mehr Richtung Öffnung: Wie bereiten Sie sich hinter den Kulissen darauf vor?


Wir haben für unsere Schweizer Kunden ein attraktives Sommerflugprogramm geplant. Darüber hinaus beobachten wir kontinuierlich die Entwicklungen in Europa, d. h. ob Reiserestriktionen weiter aufgehoben werden und sind agil genug, Kapazitäten entsprechend der Nachfrage aufzustocken. Unsere Flugzeuge sind entweder in Betrieb oder wurden kontinuierlich gewartet, sodass unsere Schweizer Flotte zum Sommer hin flugbereit ist.



Viele sind an der Planung der Sommerferien. Wie wird das Angebot ab Basel für die Sommersaison aussehen? Was sind die grössten Neuerungen?


Abhängig davon, wie die Reiserestriktionen in Europa weiterhin gelockert werden, planen wir in diesem Sommer ab Basel mit bis zu 60 Destinationen. Wir haben sowohl Urlaubs- als auch Städtedestinationen zur Auswahl, seien es beliebte Strandziele im Mittelmeerraum sowie die Kanarischen Inseln oder Städtedestinationen wie Amsterdam, Palermo, Madrid oder London Gatwick.



Wo informiert man sich als Passagier am besten über die aktuellen Pandemie-Regeln für eine spezifische Flugreise?

Für alle Reisenden sind die jeweiligen Bestimmungen des Ziellandes relevant. Wir empfehlen daher unseren Passagieren, sich tagesaktuell auf den offiziellen Seiten zu informieren. Als Service für unsere Kunden zeigen wir seit Neuestem auf unserer easyJet Webseite eine Karte mit 35 Ländern aus unserem Streckennetz, über die die Passagiere schnell und unkompliziert erste Informationen erhalten und zu den Echtzeitinformationen der einzelnen Länder gelangen.



Viele Unternehmen haben inzwischen gute Erfahrungen mit Videokonferenzen gemacht. Wie wird sich das Segment der Business-Flüge ihrer Ansicht nach entwickeln?

Bereits nach Ereignissen wie 9/11 oder der Finanzkrise 2008/2009 hat sich der Freizeitreisesektor schneller erholt als die Geschäftsreisen. Dieses Muster wiederholt sich auch jetzt in der Pandemiezeit, Urlaubsreisen werden schneller wieder nachgefragt. In der Zukunft gehen wir davon aus, dass die Entscheidung für Geschäftsreisen auch unter Kostengesichtspunkten und einer guten Erreichbarkeit des Reiseziels getroffen wird. Mit unserem Streckennetz mit direkten Flugverbindungen und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sind wir daher gut aufgestellt.



Viele freuen sich auf die nun wieder möglichen Flugreisen. Gleichzeitig sorgen sich viele um den Klimawandel. Was unternehmen Sie als Airline für den Klimaschutz?


Wir verfolgen bei easyJet eine weitreichende Strategie, um unseren CO2-Fussabdruck langfristig bis auf Netto-Null zu reduzieren. Unser übergeordnetes Ziel ist, die Luftfahrt vollständig zu dekarbonisieren. Daher arbeiten wir mit unseren Partnern Airbus und Wright Electric zusammen, um die Entwicklung von emissionsfreien Technologien wie Wasserstoff- und Elektroantriebe voranzutreiben. Wir sind optimistisch, dass wir erste Kunden mit Flugzeugen dieser neuen Generation zwischen Mitte und Ende der 2030er-Jahre befördern können. Bis die Technologien verfügbar sind, setzen wir zum einen auf einen effizienten Flugbetrieb, indem wir unseren CO2-Ausstoss durch moderne Flugzeuge und eine spritsparende Flugweise reduzieren. Seit 2000 konnten wir unsere CO2-Emissionen um ein Drittel per Passagierkilometer reduzieren. Im Herbst erneuern wir unsere Schweizer Flotte durch fünf Airbus A320neo, die bis zu 20 Prozent weniger CO2 emittieren. Zum anderen sind wir die erste grössere Fluggesellschaft, welche als eine Zwischenlösung den CO2-Ausstoss, des auf all ihren Flügen verwendeten Treibstoffs, vollständig ausgleicht, indem wir in zertifizierte Klimaschutzprojekte investieren.



Der EuroAirport steht wie alle Flughäfen immer wieder in der Kritik wegen der Lärmbelastung. Sie sind die grösste Airline vor Ort, was ist Ihr Beitrag zum Lärmschutz?


Wir arbeiten eng mit dem Flughafen zusammen, um die Lärmbelastung in der Umgebung zu minimieren und haben auch an einer Studie zur Lärmbelastung rund um den EuroAirport teilgenommen. Wir haben unter anderem die Nutzung der Start- und Landebahn optimiert, vermeiden Kreuzungsstarts und nutzen die Windrichtung nach Norden, um das Überfliegen von Anrainer-Gemeinden zu umgehen.

Ab diesem Herbst wird unsere Schweizer Flotte durch fünf A320neos erneuert. Dieser Flugzeugtyp emittiert 50 Prozent weniger Lärm während der Start- und Landephasen im Vergleich zu Flugzeugen vorheriger Generationen. Einerseits sind die Triebwerke per se leiser, andererseits wurde die Aerodynamik und die Triebwerke verbessert, was dem Flugzeug zu einem verstärkten Auftrieb verhilft. Es gewinnt also schneller an Höhe und ist entsprechend schneller ausser Hörweite.



Was sind Ihre mittelfristigen Entwicklungspläne auf dem EuroAirport?


Basel ist eine wichtige Basis in unserem Netzwerk und für das Dreiländereck stellen wir als führende Fluggesellschaft die Konnektivität innerhalb Europas sicher. Jetzt geht es erst einmal darum, dass sich die Luftfahrt von den Auswirkungen der Pandemie erholt. Experten und Luftfahrtverbände wie die IATA gehen davon aus, dass 2023/24 die Nachfrage wieder auf dem Niveau von 2019 sein könnte. Sie könnte sich aber auch schneller entwickeln. Mit einer direkten Anbindung an das Bahnnetz würde der Flughafen Basel-Mulhouse bei unseren Kunden und auch uns deutlich an Attraktivität gewinnen.