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«Schnelle Lösungen gibt es in der Politik nicht»

  • vor 23 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Andrea Knellwolf präsidiert seit Juni 2025 die IG EUROAIRPORT - die Interessenvertretung der Flugkonsumentinnen und -konsumenten und luftverkehrsaffinen Kreise der Region Basel. Im Gespräch erklärt sie, warum der EuroAirport für die Nordwestschweiz unverzichtbar ist, weshalb der Bahnanschluss trotz französischem Rückzug aus der Finanzierung nicht vom Tisch ist - und was den Flughafen wirklich voranbringt.


Andrea Knellwolf in einem sandbraunen Blazer und weinroter Bluse in die Kamera lächelnd.

Die IG EUROAIRPORT hat ihre Wurzeln in den frühen 60er Jahren - damals noch als «Basler Vereinigung zur Förderung des Luftverkehrs», im Volksmund «Bebbi flieg au». Was ist geblieben, was hat sich verändert?

Das Ziel ist dasselbe geblieben: die Förderung und Entwicklung des Luftverkehrs vom und zum EuroAirport. Was sich verändert hat, ist der Name – und die Komplexität des Umfelds. 1991 sind zwei Vorgängerorganisationen zusammengeschlossen worden. Ein Flughafen, der drei Länder verbindet, braucht eine Interessenvertretung, die diese Vielschichtigkeit versteht. Wir sind Partner des Flughafens – aber unabhängig und mit einer eigenen Sichtweise.


Was sind die konkreten Aufgaben der IG heute?

Wir vertreten die Interessen der Kundinnen und Kunden und aller am Luftverkehr interessierten Kreise der Region Basel gegenüber Fluggesellschaften, dem Flughafen und den Behörden. Konkret setzen wir uns ein für eine bedarfsgerechte Bedienung des EuroAirport, gute Tagesrandverbindungen, eine Mitgestaltung bei der kontrollierten Entwicklung des Flughafens und eine offene Informationspolitik. Durch Öffentlichkeitsarbeit fördern wir das Verständnis für die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Flughafens. Im Zentrum steht die Stimme Basels in der schweizerischen und internationalen Luftfahrt.


Wer steht hinter der IG – wie ist der Vorstand zusammengesetzt?

Der Vorstand setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Kreise zusammen – Wirtschaft, Politik und Recht. Das ist Absicht: Wir sind eine breit abgestützte Diskussionsplattform. Mein Vorgänger Lorenz Amiet ist als Vizepräsident im Vorstand geblieben. Geschäftsführer ist Robert Appel. Er kennt den EuroAirport und seine Geschichte seit Jahrzehnten, ist seit den späten 60er Jahren mit dem Flughafen verbunden. Kassier ist André Frossard, neu dabei ist Nicole Strahm-Lavanchy, Grossrätin Basel-Stadt. Die Details sind auf unserer Website einsehbar.


Was hat Sie persönlich bewogen, das Präsidium zu übernehmen?

Das war für mich naheliegend. Als trinationale Politikerin, Vizepräsidentin der Regio Basiliensis und Präsidentin der Wirtschafts- und Abgabekommission des Grossen Rates Basel-Stadt kenne ich die Bedeutung des EuroAirports aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu kommt mein beruflicher Hintergrund: Ich bin seit 25 Jahren in der globalen Pharmabranche in Basel tätig. Der EuroAirport ist für diese Branche kein Nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung.


Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Flughafenleitung?

Wir haben kurze Wege, einen unkomplizierten Austausch und regelmässige Treffen.


Frankreich hat seine Finanzierungsbeteiligung ausgesetzt. Wie geht es jetzt weiter?

Wir nehmen das mit grossem Bedauern zur Kenntnis. Nicht lockerlassen. Die etablierten trinationalen Gremien wie die Oberrheinkonferenz, der Oberrheinrat und die Regiokommission des Grossen Rates sowie die Wirtschafts- und Verkehrsverbände zusammen mit den Regierungen von Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau müssen das Thema auf der Agenda halten. Das geschieht meines Wissens bereits. Wichtig ist auch: Frankreich hat seine Beteiligung nicht beerdigt, sondern wegen der gestiegenen Projektkosten und der angespannten Haushaltslage vorläufig ausgesetzt. Das Projekt ist damit sistiert, aber nicht vom Tisch. Aber man muss realistisch sein: Das sind langwierige Prozesse. Schnelle Lösungen gibt es in der Politik nicht, erst recht nicht bei grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten. Und die aktuelle Grosswetterlage mit knappen öffentlichen Kassen, konjunktureller Unsicherheit und geopolitischen Spannungen macht solche Vorhaben nicht einfacher.

 

2025 wurden fast 10 Millionen Passagiere gezählt. Gleichzeitig bleibt der Lärm ein Dauerthema. Wie geht die IG mit dieser Spannung um?

Die Erhebungen zeigen, dass der Lärm trotz wachsendem Passagieraufkommen reduziert werden konnte, zum Beispiel dank moderneren Flugzeugen, die mehr Passagiere fassen. Die Anzahl der Flugbewegungen nimmt ab, die Passagierzahl zu. Diese Entwicklung stimmt positiv. Wesentlich dazu beigetragen hat auch die Reduktion der Abflüge in den Randstunden des Nachtflugverbots, also zwischen 22 und 23.30 Uhr, um rund 75 Prozent.


Was muss in den nächsten Jahren gelingen, damit der EuroAirport auf Kurs bleibt?

Die nötigen Ausbau- und Erneuerungsprojekte sind aufgegleist: Ab 2026 investiert der Flughafen in einem mehrjährigen Zyklus über 500 Millionen Euro. Die Sanierung der Hauptpiste wurde im Mai sogar früher als geplant abgeschlossen, ab 2027 folgt die landseitige Terminalerweiterung, und direkt am Terminal entsteht ein Hotelkomplex. Der grösste Hebel liegt aber ausserhalb unserer Reichweite: die weltpolitische Wirtschafts- und Sicherheitslage. Das ist die eigentliche Unbekannte.


 
 
 
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