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«Insbesondere in der Krise muss der Warenfluss wie ein gut geöltes Uhrwerk funktionieren.»

Interview mit Andreas Behnke, CEO & Station Manager Basel, Swissport


In wenigen Worten: was ist die Rolle von Swissport im Frachtgeschäft am EuroAirport?


Swissport ist am EuroAirport der grösste Anbieter für Luftfrachthandling und das Bindeglied zwischen dem Warentransport auf der Strasse und durch die Luft. Unsere Kunden sind weltweit operierende Airlines, für die wir Frachtsendungen in Containern oder auf Paletten packen und diese dann in Flugzeuge verladen.



Welche Art von Waren sind es, die am EuroAirport per Fracht reinfliegen bzw. rausfliegen?


Der Mix an Waren, die über den Luftweg transportiert werden, ist breit gefächert. Dies reicht von Produkten der verarbeitenden Industrie über pharmazeutische Produkte bis hin zu Maschinen. Diese Waren haben aber eines gemeinsam: Sie müssen alle ihr Ziel schnell erreichen und werden daher geflogen.



Was war der Einfluss der Pandemie auf ihr Geschäft am EuroAirport über die letzten Quartale?


Das Luftfrachtgeschäft wurde nur am Anfang der Pandemie beeinträchtigt. Die Frachtvolumen hatten sich nach dem Ausbruch am EuroAirport verdoppelt. Seit dem Sommer 2020 sind die Tonnagen wieder auf dem Niveau vor der Pandemie. Aufgrund der mangelnden Transportkapazitäten in den Passagierflugzeugen – viele blieben am Boden – verschoben sich die Warenströme auf die Frachtflugzeuge. Der EuroAirport als grösster Landesflughafen für Vollfrachter hat das positiv zu spüren bekommen. Das führte dazu, dass auch Passagiermaschinen als Frachtflugzeuge genutzt wurden. Kisten wurden auf den Sitzen verstaut und auf diese Weise zum Ziel geflogen.



Wie hat sich Ihre Rolle während der Pandemie verändert im Vergleich zu «normalen» Zeiten?


Die Rolle des Ground Handling Agenten – dies umfasst alle Dienstleistungen für die Bodenabfertigung ­­– hat sich nur unwesentlich verändert. Das Ground Handling hat aber sicher weiter an Bedeutung gewonnen. So mussten wir die stetig ändernden Bestimmungen, die Behörden und die Airlines erlassen haben, jeweils rasch umsetzen. Das ist eine riesige Herausforderung für unsere Mitarbeitenden.



Können Sie ein Beispiel dafür machen?


Wir müssen zum Beispiel prüfen, ob französische Passagiere einen triftigen Grund haben – den sogenannten raison impératif – ausserhalb der EU zu reisen. Für den befragten Passagier ist es oft schwierig nachzuvollziehen, warum wir dies prüfen müssen. Solche Kontrollen führen daher verständlicherweise zu Unverständnis und zu Unmut bei den Reisenden. Damit müssen unserer Mitarbeitende an der Front aber umgehen können. Wir haben sie daher gezielt für solche Situationen geschult, wie sie Passagiere möglichst lösungsorientiert unterstützen können.



Wie beurteilen Sie Ihre Geschäftsaussichten am Basler Flughafen?


Aus unserer Sicht verfügt der EuroAirport im Vergleich mit den anderen Landesflughäfen über das grösste Wachstumspotential. Mit der starken Präsenz der Low-Cost-Carrier wie Easyjet oder Wizzair werden wichtige Feriendestinationen angeflogen. Zudem ist der ethnische Verkehr – also die Flüge, die vor allem auf die Nachfrage von Arbeitsmigranten und ihren Familien ausgerichtet sind – enorm wichtig. Wir erwarten eine positive Entwicklung in diesen Bereichen, während Geschäftsreisen nur langsam wieder in Schwung kommen werden. Das lässt sich auch daran erkennen, dass auf einigen traditionellen Fluglinien nur langsam wieder Flüge angeboten werden.



Was heisst dies für diesen Sommer?


Wir gehen davon aus, dass der Flugverkehr diesen Sommer im Vergleich mit der Phase vor der Pandemie ein Volumen von 60 bis 70 Prozent erreichen wird. Die Tendenz ist sicherlich steigend. Aufgrund der vielen zusätzlichen Covid19-Kontrollen empfehlen der EuroAirport und wir den Reisenden, genügend Zeit für die Anreise einzuplanen und mindestens zwei Stunden vor Abflug am Check-in Schalter bereitzustehen.



Und wie sieht es bei der Fracht aus?


Die Fracht hat sich vor allem dank der Life Sciences Industrie als relativ krisensicheres Produkt bestätigt. Zudem ist es uns gelungen, unter den erschwerten Bedingungen während der Pandemie die Zuverlässigkeit der Air Cargo Plattform für Kunden aus allen drei Ländern unter Beweis zu stellen. Insbesondere in der Krise muss der Warenfluss wie ein gut geöltes Uhrwerk funktionieren.



Was sind Ihre Wünsche an die Politik für die Weiterentwicklung des Flughafens?


Ein wichtiges Ziel ist eine verbindliche Regelung zwischen Frankreich und Schweiz in Bezug auf das Arbeitsrecht im sogenannten Secteur Suisse. Seit jeher wird im Schweizer Sektor das Schweizer Arbeitsrecht angewendet, das signifikant höhere Löhne und Sozialleistungen für die Arbeitnehmenden aus der EU bedeutet. Ein Staatsvertrag, der auch das Arbeitsrecht abschliessend regelt, wäre zentral für die Weiterentwicklung des Standortes sowie für die Arbeitgeber und -nehmer. Bezüglich der Pandemie wäre es wichtig, die Richtlinien für Reisende ab dem EuroAirport aus allen drei Ländern – Frankreich, Deutschland und der Schweiz – so anzupassen, dass alle Reisenden die gleichen Voraussetzungen für eine sichere und zuverlässige Reise erhalten. Ein einheitliches Covid-Zertifikat wäre der richtige Schritt in die Richtung.