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«Es ist wichtig, dass wir uns für die Binationalität und den Esprit binational einsetzen.»

Interview mit Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel und Dr. Sebastian Deininger, Leiter Verkehr, Raumplanung, Energie und Umwelt bei der Handelskammer beider Basel zu den Aussichten der Luftfahrt und den Aktivitäten von Alliance GloBâle.


Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel (links) und Dr. Sebastian Deininger, Leiter Verkehr, Raumplanung, Energie und Umwelt bei der Handelskammer beider Basel



Blick zurück: Warum wurde die Initiative «Alliance GloBâle» vor beinahe zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen?


Martin Dätwyler: Wir nahmen das siebzigste Jubiläum des EuroAirports zum Anlass, um für den dritten Landesflughafen der Schweiz eine Dialogplattform zu lancieren. Unsere Region ist auf einen leistungsstarken Flughafen angewiesen, der uns Impulse verschiedenster Art gibt. Ich denke dabei an den Tourismus, an Kongresse sowie Kultur- und Kunstveranstaltungen. Last but not least kommt dem Flughafen als Standortfaktor eine zentrale Bedeutung zu, da er die Erreichbarkeit der Region über den Luftweg sicherstellt. Aus all diesen Gründen haben wir die Alliance GloBâle ins Leben gerufen mit dem Ziel, den Flughafen gemeinsam weiterzuentwickeln und auch vermehrt über diese positiven Impulse des Flughafens für unsere Region zu sprechen.



Sie sprechen im Zusammenhang mit der Alliance GloBâle von «wir». Wer steht genau hinter der Initiative?


Martin Dätwyler: Ausgegangen ist die Initiative von der Handelskammer beider Basel. Rasch angeschlossen haben sich, unter anderem, der Arbeitgeberverband Basel, der Gewerbeverband Basel-Stadt, die Wirtschaftskammer Baselland sowie die Industrie- und Handelskammern am Hoch- und Oberrhein auf deutscher und französischer Seite.


Es kamen weitere Organisationen wie die Starke Region, Metro Basel, Regio Basiliensis, Pro Innerstadt, die Interessengemeinschaft EuroAirport, der TCS, Tourismus Basel, der FCB, das Musical Theater Basel und viele weitere dazu. Auch eine stetig wachsende Zahl von privaten Personen dürfen wir zu den Unterstützern zählen, die alle auf der Webseite der Alliance GloBâle aufgeführt sind.



Im Fokus der Initiative stehen der Erhalt und die Weiterentwicklung des EuroAirport. Könnten Sie dies konkretisieren?


Sebastian Deininger: Der EuroAirport ist der einzige binationale Flughafen der Welt. Wir möchten dieser speziellen Ausgangslage Sorge tragen und die daraus entstehenden Vorteile pflegen. Er soll weiterhin kontinentale und auch interkontinentale Destinationen – vor allem die wichtigen Wirtschaftszentren – anfliegen. Dafür braucht der EuroAirport entsprechende Infrastrukturen – z.B. einen leistungsfähigen Bahnanschluss.


Für den langfristigen Erfolg muss der Flughafen ausserdem ein marktorientiertes und nachhaltiges Geschäftsmodell nach ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten verfolgen können. All diese Punkte sind Teil der Charta, in deren Rahmen sich die Unterstützer der Initiative und wir uns als Handelskammer für den EuroAirport einsetzen.



Sie sagen, dass Sie der Binationaliät des Flughafens Sorge tragen wollen. Was meinen Sie damit konkret?


Martin Dätwyler: Die Binationalität spielt in vielen Fragestellungen eine wichtige Rolle. Dabei geht es uns darum, einen Beitrag zur Verbesserung der binationalen Rahmenbedingungen zu leisten. Ich denke unter anderem an die Frage, wie die Rechtssicherheit im Arbeitsrecht im sogenannten Secteur Suisse verbessert werden kann. Aufgrund des europapolitischen Kurses der Schweiz hat sich das Verhältnis zwischen der Schweiz und Frankreich leider etwas abgekühlt. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gemeinsam für die Binationalität und den Esprit binational einsetzen und die Reihen schliessen. Wir brauchen Rechtssicherheit am EuroAirport.



Inwieweit hat die aktuelle Krise der Luftfahrt die Schwerpunkte der Initiative verändert?


Martin Dätwyler: Die vier in der Charta aufgeführten Themen haben in der aktuellen Krise der Luftfahrt ihre Bedeutung nicht verloren. Sie stehen aber natürlich unter anderen Voraussetzungen. Es ist nun noch wichtiger geworden, dass wir die Luftfahrt in diesen schwierigen Zeiten unterstützen und Rahmenbedingungen schaffen, die es dem EuroAirport ermöglichen, sich rasch wieder zu erholen und im internationalen Wettbewerb zu positionieren.


Die Pandemie hat uns allen sicherlich die grosse Bedeutung der Fracht in der medizinischen Versorgung der Region und der Schweiz vor Augen geführt. Dank einer leistungsstarken Expressfracht für kleine Sendungen war es zudem möglich, die in der Pandemie rasant gestiegene online-Nachfrage der Schweizerinnen und Schweizer zu bewältigen.



Welche Zielgruppen möchte man mit Alliance GloBâle ansprechen?


Sebastian Deininger: Die Initiative richtet sich an alle, die sich für den EuroAirport im Rahmen der erwähnten Charta einsetzen möchten. Von Verbänden und grenzübergreifenden Organisationen über Unternehmen bis hin zu Privatpersonen sind uns alle herzlich willkommen. Wir konnten seit der Gründung zahlreiche Unterstützer dazugewinnen. Dies zeigt uns, dass der EuroAirport als regionale Schlüsselinfrastruktur für viele Branchen und Anspruchsgruppen von grosser Relevanz ist.



Was sehen Sie als grösste Herausforderungen für den Flughafen in den kommenden Jahren?


Martin Dätwyler: Die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen liegen sicherlich in der richtigen Positionierung des EuroAirport für die Phase nach der Pandemie. Entscheidend ist dabei, dass der wichtigste Player auf dem Flughafen, easyJet, weiterhin voll und ganz auf den EuroAirport setzt. Eine gewisse Unsicherheit besteht natürlich grundsätzlich in der weiteren Entwicklung von Business-Flügen, die wahrscheinlich nicht mehr auf das Nachfrageniveau von vor der Pandemie zurückkommen werden.


Die politischen Herausforderungen sehe ich auf der nationalen Ebene vor allem in der Frage, welchen Einfluss die Schweiz in der Entwicklung des binationalen Landesflughafens einnehmen kann und will. Zudem bestehen weiterhin grosse Herausforderungen rund um die Themen Klima und Lärm. Uns ist es wichtig, dass man diese Herausforderungen nicht primär mit Verboten und höheren Kosten, sondern mit technologischen und somit auch nachhaltigen Innovationen angeht.


Sebastian Deininger: Dem schliesse ich mich an. Europäisch und global betrachtet steht die Zukunft der Luftfahrtbranche unter der Ambition sich dekarbonisieren zu müssen, damit die immer ehrgeizigeren klimapolitischen Ziele erreicht werden können. Auch wenn die Zahlen etwas anderes vermuten lassen könnten – die Flugbranche verursacht je nach Berechnung zwischen 2 bis 3 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses – steht das Fliegen weit oben auf der Agenda möglicher Regulierung. Sicher auch, da das Thema «Fliegen» gesellschaftlich emotional und kontrovers diskutiert wird.


Die anstehenden Massnahmen betreffen neben den Airlines natürlich auch zuliefernde Betriebe und Plattformen wie den EuroAirport. Auch hier müssen sich Geschäftsmodelle an die Regulierungen und sich wandelnde Bedürfnisse anpassen, um weiterhin erfolgreich betrieben werden zu können.



Wie kann Alliance GloBâle den Flughafen in diesen Herausforderungen unterstützen? Welche Aktivitäten sind geplant?


Sebastian Deininger: Alliance GloBâle lebt von und durch seine Unterstützter. Ein breites Netzwerk, das sich stetig vergrössert, hilft dem EuroAirport dabei, seinen Nutzen für die Lebens- und Wirtschaftsregion Basel gegenüber der Gesellschaft und auch der Politik aufzuzeigen. Natürlich haben die Unterstützer dabei ganz unterschiedliche Möglichkeiten dies zu tun. Gerade diese Breite und Diversität sind eine Stärke von Alliance GloBâle.


In Zukunft möchten wir auch auf Social Media mit einem eigenen Kanal und – sofern es die äusseren Umstände zulassen – mit Veranstaltungen vermehrt präsent sein. Den beliebten Newsletter von Alliance GloBâle, in dem wir monatlich Themen rund um die Luftfahrt und den EuroAirport aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, planen wir auf jeden Fall weiterzuführen.